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Geschichte der Bibliothek

Anfangs organisierte die Gemeinde in der Wohnung des Pfarrers die Bibliothek. Die evangelischen Pfarrer, Lehrer standen in engem Kontakt mit dem Land der Reformation, mit Deutschland. Viele von ihnen besuchten die Universitäten in Wittenberg, Göttingen, Halle, Leipzig, Jena oder Erfurt. Einige schrieben ihre Dissertation an diesen Universitäten. Aus den ausländischen Studien nach Hause kehrend bereicherten sie mit vielen Büchern ihre Bibliothek, dann durch Nachlassen die zweifellos vorhandene Gemeindebuchsammlung.  Aus den Werken Luthers haben wir mehrere in erster Auflage in unserer Bibliothek, die wahrscheinlich sie aus dieser Zeit stammen. In zwei Büchern schrieb Melanchton eigenhändig eine Widmung.

Die letzte Angabe über die Organisierung der Gemeindebibliothek stammt aus 1666, im Rechnungsbuch der bayrischen Kleinstadt Rothenburg ob der Tauber ist eine Aufzeichnung zu finden, laut diesem sandte die Stadt am 9. Juli 1666 10 Rheintaller „…zu der neu aufrichtenden Evangelischen Bibliothek zu Oedenburg in Ungarn.”

Sándor Payr Kirchenhistoriker erwähnt, dass Ödenburg eine kirchliche und schulische Buchsammlung schon früher auch hatte, aber jetzt dachte man an eine viel grössere Bibliothek. Das Rothenburger Rechnungsbuch erwähnt auch „die neu aufzustellende Bibliothek.” Die Ödenburger Lutheraner wandten sich wahrscheinlich deshalb an die Stadt Rothenburg um Hilfe, da die Stadtbevölkerung mit protestantischer Mehrheit durch Simon Gerengel zur Kirchengemeinde organisiert wurde und er war neun Jahre lang (1556-1564) Pfarrer in Rothenburg. Sein segensreicher Ödenburger Dienst wurde 100 Jahre später noch nicht vergessen.

Bei der Gründung der Bibliothek spielte eine initiative Rolle Peter Melchior Zuana († 1666), der zweimal Bürgermeister (1651–53, 1657–63) der Stadt war, ausserdem der Pfarrer Mathias Lang († 1682).

Laut Károly Karner begann Peter Zuana während seiner zweiten Bürgermeisterschaft die Bibliothek zu organisieren. Die Vorzüglichkeit von Zuana und Lang beweisen die drei Gemälde im Eigentum der Gemeinde. Das erste stellt Zuana mit der Inschrift „Inchoabat” (begann) dar, die Bemerkung am Portrait von Lang „Amplificabat” (erweiterte) nämlich die Bibliothek, auf dem dritten Bild ist Leopold I. zu sehen mit der Inschrift „hoc imperante” (während seiner Herrschaft).

Im Zusammenhang der Gründung der neuen Gemeindebibliothek muss man erwähnen, dass das vor kurzem eröffnete Gymnasium (1657-1658) – Rechtsvorgänger des Lyzeums – schon eine Schulbibliothek hatte, die hauptsächlich Schulbücher, Hilfsbücher zum Unterricht enthielt. Z. B. Im Buch (Ld 62) „Loci theologici” von Melanchton erschienen 1659 ist der Stempel der Bibliothek zu finden, bezeichnend, dass die Schulbibliothek wahrscheinlich als Teil der Gemeindebibliothek betrachtet war.

Ab der Gründung um 1660 vermehrte die Bibliothek ihren immer imposanten Bestand durch Spenden, Nachlässe und Käufe. Anfangs wurde sie im Turm der St. Michaelis Kirche in der sg. oberen Sakrestei, im Arbeitsraum des Pfarrers unterbracht (1667). Nach der Wegnahme der Kirchen wurden die Bücher wahrscheinlich in den Privathäuser reicher Bürger aufbewahrt, bald danach, 1708 richtete der Konvent im Pfarrhaus die Bibliothek ein, derer Aufsicht der rangälteste Pfarrer versah.

1782 musste man die Bücher auf den Dachboden aufbringen, da beim Bau der heutigen Kirche im Raum der Bibliothek und in der Wohnung des Bibliothekarpfarrers József Torkos die Gottesdienste gehalten wurden. József Torkos weihte die Kirche am 1. Januar 1784 ein.  Nach dem Bau der Kirche stellte der Pfarrer Samuel Gamauf, der Onkel des Pfarrers und Historikers Teofil Gamauf, die Bücher an ihren Platz.

Bis Ende 1825 wurde das neue Gebäude des evangelischen Lyzeums erbaut. Zu dieser Zeit siedelte man nach einem Konventbeschluss die Gemeindebibliothek ins Lyzeum Gebäude um und vereinigte mit der Schulbibliothek. Der erste gemeinsame Bibliothekar war der Lyzeumslehrer László Hetyésy. Ab dieser Zeit war der Bibliothekar immer der durch den Konvent ernannte Lyzeumsprofessor, der für seine Arbeit in der Bibliothek eine Wohnung umsonst bekam.

Bei der Verstaatlichung des Lyzeums wurde die alte Gemeindebibliothek wieder abgetrennt, die theologischen Werke wurden der Kirche zurückgegeben. Bei der Rückgabe der Bücher für die Kirche leistete der damalige Lyzeumsdirektor, der Leiter der Bibliothek Jenő Prőhle (1909–1986) eine unschätzbare fachliche Arbeit, der mit Hilfe von Religion unterrichtenden Pfarrer und einigen Schülern in den von der Gemeinde gesicherten Raum die Bestände der Konventsbibliothek lieferten. Die Bücher nach wechselvollen Lagerung (Sakrestei, Wohnung des Kirchendieners, Turmzimmer, Kirchenchor) gelangen 1974 in die Bibliothek im Gemeindehaus in der Bünker Gasse 2., wo bis zum 2015 zur Verfügung der Interessenten standen. Auf Vorschlag der Széchényi Landesbibliothek in Budapest erklärte der Kulturministerium in seiner Abschrift die Bibliothek zur geschützten Sammlung mit musealen Wert. Einen gleichen Schutz gewann das Gemeindearchiv auch.

Seit Anfang 2015 bekam sie ihren würdigen Platz mit den anderen Einheiten der Sammlung im evangelischen Gemeindehaus, das 1884 als evangelische Volksschule eröffnet wurde, dann nach der Verstaatlichung als Gerichtshof wirkte, endlich seit September 2014 als Gemeindehaus funktioniert.